Paris im Herbst. Die Maison & Objet zeigt, was uns in diesem Winter umgeben soll: Marron in allen Schattierungen, weiche Sofas, Teppiche und viel Textiles. Nach einem Sommer der Hitze und des Draußen beginnt jetzt die Saison des Drinnen – und damit die schönste Zeit, über das eigene Zuhause nachzudenken.





Irgendwann sind wir alle wieder zurück. Jeder Urlaub geht zu Ende, auch der längste und der schönste, und selbst der heißeste Sommer verliert irgendwann seine Kraft. Die einen kommen aus dem Süden zurück, die anderen aus dem Norden. Man findet sich wieder an den gewohnten Orten ein, in den gewohnten vier Wänden, und stellt fest, dass sich dort während der eigenen Abwesenheit erstaunlicherweise nichts verändert hat.
Dabei haben wir uns verändert. Ein wenig zumindest.
Wer das Glück hatte, in einem besonders schönen oder inspirierenden Hotel zu wohnen, bringt neben Erinnerungen an Landschaften, Küsten und Berge manchmal auch etwas anderes mit nach Hause: die Erinnerung an einen Raum. An ein Bett, in dem man anders aufgewacht ist. An einen Sessel, in dem man plötzlich länger sitzen blieb als geplant. An Dinge, die man zu Hause niemals so machen würde – und gerade deshalb nicht mehr ganz vergisst.

Räume können das. Sie kitzeln etwas in uns an. Sie verändern für einen Augenblick die Stimmung, manchmal sogar die Haltung. Ein anderer Raum macht neugierig, kann beruhigen oder verführen, manchmal genügt er einfach, um gute Laune zu bekommen.
Auch in Paris sind jetzt wieder alle da. Die Schulen haben längst wieder begonnen, die Nächte sind wieder kühler, und die Routinen des Alltags sind zurück. So richtig will man sich ihnen aber noch nicht hingeben. Am Abend sitzt man noch draußen vor den Cafés, erzählt sich vom Sommer, von sagenhaften Aussichten, überraschenden Einsichten und vielleicht auch von dem einen oder anderen süßen Geheimnis.

Und irgendwann stellt sich die Frage: Was davon darf mit? Was nehmen wir aus diesen Wochen mit in die neue, alte Routine? Was darf bleiben, wenn die Koffer längst wieder ausgepackt sind? Vielleicht ist der September deshalb ein ziemlich guter Monat, um auch die eigenen vier Wände wieder etwas genauer anzusehen. Nicht gleich mit dem Zollstock. Eher mit den Augen.
Während die Mode längst wieder auf Herbst und Winter eingestellt ist, beginnt auch zu Hause eine kleine Inventur. Was gefällt uns noch? Was fehlt? Und wo könnte ein wenig von jenem Gefühl bleiben, das wir irgendwo unterwegs hatten?
Für all diese Fragen gibt es wahrscheinlich keinen besseren Ort als eine Messe für Innenräume und Dekoration.
Jetzt hier in Paris.

Seit Jahren komme ich im Herbst zur Maison & Objet und zur Paris Design Week. Es ist weniger die Suche nach dem einen großen neuen Trend, die mich hierherführt. Interessanter ist, wie sich aus tausenden Dingen allmählich ein Bild ergibt. Was wird angeboten? Was wird plötzlich überall gezeigt? Welche Farben tauchen wieder auf, welche Materialien, welche Formen? Und vor allem: Wie wollen wir eigentlich wohnen?
Marron, Gemütlichkeit und ein Dackel
Die Antwort in diesem Herbst ist zunächst einmal erstaunlich eindeutig. Die Maison & Objet ist in einen Farbtopf gefallen – in einen ziemlich großen mit Marron. Braun in allen Tönen und Schattierungen: von hellem Sand über Tabak und Cognac bis zum dunklen Schokoladenbraun. Dazu Rot, Brombeer und gedecktes Grün. Naturmaterialien, kleinteilige geometrische Muster, viel Struktur. Meistens nicht entweder oder, sondern alles zusammen.






Und dann gibt es noch dieses eigentümliche Gelbbraun – warm, erdig, fast ein wenig golden. Marron in allen Nuancen. Der Dackel auf dem Foto trägt die ganze Farbpalette bereits im Fell: Braun, Honig, Gold und die dunklen Töne dazwischen – selbstverständlich kombiniert und ziemlich elegant.
Vielleicht ist das überhaupt das Schöne an Paris: Kunst, Kitsch und Kostbares liegen manchmal nur wenige Meter voneinander entfernt. Dinge aus allen Kulturen, aus allen Ecken der Welt. Manches irritiert, manches begeistert, manches möchte man am liebsten sofort mitnehmen.



Und doch ist die Richtung eindeutig: Es soll wieder gemütlich werden.
Die Maison & Objet hat sich dabei fast zu einer reinen Dekorationsmesse entwickelt. Die großen neuen Möbel stehen im Frühjahr in Mailand. Und das passt. Im Frühling verträgt man das Laute, die frischen Farben und die ganze wunderbare „Bella Figura“ einfach besser.
Paris im Herbst ist leiser. Hier geht es um das, was einen Raum zum Zuhause macht: Stoffe, Teppiche, Leuchten, Vasen, Bilder, kleine Tische und weiche Sitzgelegenheiten.






Die Sofas werden rund und weich. Sie stehen nicht mehr unbedingt ordentlich an der Wand, sondern wirken, als wären sie irgendwo angeschwemmt worden – wie große, glatte Bachsteine. Dazu kleine Beistell- und Coffee-Tables, unterschiedliche Höhen, Formen und Materialien. Im Wohnzimmer entsteht daraus beinahe ein Mosaik. Und überall Textilien. Ein Boden ohne Teppich wirkt fast wie ein Garten ohne Gras.
In England macht das Haus den Unterschied
Vor Paris war ich in England unterwegs. Man fährt dort durch Landschaften, in denen die Häuser aussehen, als hätten sie beschlossen, sich seit Jahrhunderten nicht mehr zu verändern. Naturstein, alte Grundrisse, kleine Fenster – die Architektur gibt viel vor.
Die Individualität entsteht deshalb im Inneren. In Farben, Stoffen, Möbeln und Dekoration. Aus dem nächsten alten Steinhaus wird plötzlich ein ganz anderes Zuhause.



Vielleicht ist das gerade deshalb so interessant. Wenn außen wenig verändert werden kann, wird innen umso genauer hingesehen.
Bei uns bauen wir anders. Moderner, großzügiger, besser gedämmt – und vor allem mit großen Fenstern. Wir holen die Landschaft ins Haus. Einen Garten, einen Berg, einen Baum oder einfach den Himmel über der Stadt. Damit wird Innenarchitektur fast wichtiger als Dekoration.
Denn ein gutes Zuhause muss heute nicht nur innen schön sein. Es muss mit dem Draußen sprechen. Die Farben, Materialien und Formen sollten den Blick aus dem Fenster aufnehmen, ohne mit ihm zu konkurrieren.



Was in einem englischen Steinhaus wunderbar funktioniert, kann bei uns schnell zu viel werden. Dort darf ein Wohnzimmer aussehen, als hätte es seit 150 Jahren jemand glücklich bewohnt. Teppiche, Vorhänge, Muster, Bücher, Bilder, alte Sessel – alles darf bleiben.
Wir brauchen nicht unbedingt mehr Dinge. Wir brauchen die richtigen Dinge.
Einen guten Teppich. Einen bequemen Sessel. Eine Leuchte mit warmem Licht. Gute Stoffe. Holz, Stein, Wolle oder Leder. Vielleicht einen kräftigen Marron-Ton, ein dunkles Rot oder dieses gedämpfte Grün aus Paris.
Und manchmal braucht es überhaupt keine Farbe.
Zwischen all dem Marron und den üppigen Mustern findet man in Paris nämlich auch Räume, die fast nichts wollen. Sandig, weich, beinahe weiß. Keine Kontraste, keine lauten Muster. Alles schmiegt sich aneinander. Räume, in denen man automatisch leiser wird.
Manchmal braucht es nur einen Blick von außen
Vielleicht ist das überhaupt die schönste Erkenntnis einer solchen Reise: Wir müssen unser Zuhause nicht neu erfinden. Ein gutes Haus weiß meistens selbst, was ihm guttut. Aber manchmal braucht es einen neuen Teppich, einen anderen Stoff, eine Lampe, einen Sessel – oder einfach den Mut, etwas wegzuräumen.

Und manchmal hilft dabei ein Blick von außen.
Der Blick des Innenarchitekten, der einen Raum nicht nur so sieht, wie man selbst ihn seit Jahren sieht, sondern plötzlich entdeckt, was fehlt, was zu viel ist und was ganz anders wirken könnte. Inspiration heißt nicht, das Zuhause eines anderen zu kopieren. Sie gibt uns die Möglichkeit, das eigene wieder mit neuen Augen zu sehen.
Dafür muss man nicht unbedingt nach Paris fahren. Ein Besuch bei Wetscher kann manchmal schon reichen. Materialien sehen, Farben miteinander erleben, einen Stoff in der Hand haben, einen Raum betreten – und plötzlich merken: Das könnte bei uns auch funktionieren.
Vielleicht bei einem der „Samstage bei Wetscher“, wenn aus dem Einrichtungshaus für ein paar Stunden ein Ort für Begegnungen, Ideen und Inspiration wird.
Draußen wird es kühler, die Abende werden länger und drinnen darf es wieder ein bisschen mehr nach Zuhause aussehen.
Paris hat uns dafür in diesem Herbst eine einfache Empfehlung mitgegeben: Machen Sie es sich schön.

























