Zwölf Punkte, die Sie wirklich umsetzen sollten
Ein bisschen Trendradar. Ein bisschen Hausverstand. Und ein paar Dinge, die man nur sagt, wenn man tagtäglich mit guten Räumen lebt.
2026 fühlt sich Wohnen noch stärker an wie ein Seismograf. Wir pendeln zwischen Rückzug (endlich Ruhe) und Bühne (endlich Ausdruck): Reduktion und Wärme auf der einen Seite, die Wohnung als expressives Statement auf der anderen. Und ja, beides darf nebeneinander existieren – wenn es bewusst inszeniert ist.
Hier kommt mein persönlicher Ausblick, was gutes Wohnen im noch neuen Jahr ausmacht: praktisch, manchmal überraschend einfach, da und dort mit Augenzwinkern (und natürlich basierend auf langjähriger Erfahrung im Einrichten).
1. „Schreiben Sie Ihrem Zuhause ein Drehbuch.“


Das ist einer der unterschätztesten Luxus-Moves überhaupt: ein roter Faden – Materialliste, Farbklima, Metallton, Holzart, Textur – kompromisslos durchgezogen, von innen bis nach draußen. Entwickeln Sie eine Strategie über alle Räume hinweg. Und dann: Brechen Sie sie.
Das Wichtigste an einem klugen Plan: Der Bruch. Clever. Überraschend. Persönlich.
Platzieren Sie bewusst einen Fremdkörper, ein Kunstwerk, ein Stück Kitsch, ein Erbstück – etwas mit Reibung. Dadurch wird
a) die Strategie erst sichtbar und
b) Ihr Zuhause spannender als jeder Showroom.
2. „Maß ist Macht.“
Auf die richtige Größe kommt es an – und auf den Klang. Nicht jede tolle Garnitur passt in eine kleine Wohnung. Und nicht jedes zarte Sofa übersteht in einer großen Halle. Gute Räume „klingen“: Die richtigen Proportionen zwischen Raumhöhe, Teppichmaß, Sofatiefe, Tischhöhe, Laufwegen – alles spielt zusammen.
Mini-Regel für 2026:
· Ein Möbelstück ist nicht „zu groß“, wenn es ruhig wirkt.
· Es ist zu groß, wenn es alles andere klein macht.

3. „Draußen großes Kino, drinnen Opernloge.“

Bei großer Aussicht: innen ruhiger. Je spektakulärer der Blick, desto leiser sollte das Interior „sprechen“. Sonst konkurrieren zwei Hauptdarsteller – und keiner gewinnt. Gerade wenn, wie von einschlägigen Magazinen vorhergesagt, expressive Interiors wieder stärker werden, sollte der Mut zu Farbe und Statement sich nicht direkt vorm Panoramafenster abspielen.
Mein Tipp:
· Blickseite = ruhige Materialien, matte Oberflächen, wenig Muster
· Gegenüberliegende Wand = gerne Kunst, Stücke mit Charakter, „Bühnenmomente“
4. „Warm ist das neue Wow.“

2026 verliert der kühle Minimalismus seine Strenge: Wir wollen mehr Wärme, mehr Textur, mehr Naturmaterial, mehr Erdung – ohne dabei überladen zu sein. Das ist hochwertiges Wohnen in Reinform: besser kaufen statt mehr kaufen.
Konkreter 2026-Check:
· Holz darf wieder „leben“ (Maserung, Haptik)
· Stoffe werden griffiger (Bouclé, Wollmixe, strukturierte Webungen)
· Farben bleiben ruhig – aber nicht kalt

5. „Textilien sind die schnellste Renovierung ohne Baustelle.“

Vorhänge, Blackouts, Kissen, Bezüge: bitte neu.
Dieser Punkt ist Gold wert. Kaum eine Maßnahme holt eine Wohnung so schnell ins Hier und Jetzt. Hochwertige Textilien sind wie gute Schuhe: Man sieht nicht jedes Detail – aber man spürt sofort die Klasse.
Bonus: Wichtig ist, wie es sich anfühlt. Das Bewusstsein für Komfort und Sensorik durch textile Qualität tritt wieder in den Vordergrund: Wohnlichkeit als echtes körperliches Wohlgefühl.
6. „Finden Sie einen neuen Aufhänger.“

Denken Sie Kunst neu: Schluss mit den ewig gleichen Wänden. Nehmen Sie in diesem Jahr alles runter, was „schon immer“ da hängt. Sortieren Sie um, kuratieren Sie neu (gerne mit Profi). Und wie wär’s mal mit etwas mehr Persönlichkeit? Die Menükarte aus dem letzten Traumurlaub, hübsch gerahmt, bringt bei jedem Vorübergehen dieses wunderbare Gefühl zurück…
Höhe ist die halbe Miete:
· Einfacher Richtwert: Bildmitte ungefähr auf Augenhöhe
· Bitte nicht „zu hoch aus Respekt“ – Kunst sucht Gesellschaft.
7. „Stellen Sie in der Küche mal einiges klar.“

Räumen Sie die klotzigen Geräte aus dem Blickfeld und schaffen Sie so eine ruhige Zone.
2026 sehnen sich viele nach innerer Ausgeglichenheit und einem stabilen Rückzugsort. Wohnen soll Orientierung geben – Klarheit ist eine Form davon.
Praktisch (und überraschend wirksam):
· Schaffen Sie einen „Geräte-Parkplatz“ (eine Lade, ein Auszug, ein Nebenmöbel)
· Trennen Sie sich von diesem einen Ding, das Sie ohnehin nie benutzen (Sie wissen genau, welches ich meine)
8. „Es muss nicht alles einziehen, was glänzt.“
Mut, aber bitte mit Manieren.
2026 ist das Jahr der Gleichzeitigkeit, des erlaubten Nebeneinanders: Muster, Textur, Vintage, Statement-Details, theatralische Akzente – alles geht.

Aber nichts muss! Hochwertiges Wohnen ist nicht „mehr“ – es ist stimmiger. Die goldene Regel lautet: Wo alles Statement ist, ist nichts mehr Statement. Starten Sie auch im expressiven 2026 kein Dauerfeuer, sondern setzen Sie komponierte Akzente: ein skulpturales Sofa, eine starke Leuchte, eine Wandfarbe, die sitzt.

Trendfasten für Fortgeschrittene:
Bereitet mir das viele Jahre lang Freude – oder ist das nur ein schneller Dopamin-Kick?
9. „Große Pflanzen sind keine Deko. Sie sind Architektur.“
Grüner wird’s nicht: Schaffen Sie Platz für echte, große Pflanzen.
Biophile Elemente und Naturtöne bleiben nach wie vor wichtig und verstärken den Ausdruck fließender, organischer Raumideen.

Eine große Pflanze ist wie ein guter Sessel: Sie macht den Raum sofort glaubwürdig.
Profi-Tipp:
Sehen Sie den Übertopf nicht als Nebensache. Ein schöner, schwerer Topf ist ein Luxusobjekt – und wirkt.
10. „2026 geht’s spürbar um mehr.“
Ein Trend, der mir gefällt, weil er erwachsen ist: Nachhaltigkeit wird „spürbar“. Materialien, Farben, Oberflächen sollen nicht nur ökologisch sein, sondern auch das eigene Wohlbefinden unterstützen.
Statt einem schlichten Öko-Label zum Herzeigen wird 2026 im wahrsten Wortsinn mehr Energie ins Zuhause investiert: Die neue Nachhaltigkeit vereint das Bewusstsein für Ökologie mit dem Augenmerk auf Gesundheit (Stichwort: „echte“ Materialien) und soziale Gerechtigkeit (faire Produktionsbedingungen).

Plus:
Die Dinge dürfen altern – und werden dadurch nur noch ehrlicher, ursprünglicher, einfach schöner. Kleine Kratzer oder Lücken sind keine Fehler, sondern natürliche Patina. Denn mal ehrlich: Wer von uns sieht schon noch so frisch aus wie vor 20 Jahren?!
11. „Die Decke gehört auch zur Bühne.“

Mut zur Farbe – aber elegant.
„Color Capping“ heißt die Farbarchitektur für Mutige. Wer 2026 bunt haben will, sollte mehr als einen Farbeimer zur Hand haben: Wand, Decke sowie hervorzuhebende Details werden in abgestuften Tönen einer Farbfamilie gestaltet – das Ergebnis steht für geschmackvolle Eleganz und klare Regie.
Damit es am Ende nicht wie nach einer Farbroller-Party daherkommt, lassen Sie im Zweifelsfall den Profi ran. Mit Decken ist es wie mit dem perfekten Saum: Man sieht ihn kaum, aber man merkt sofort, ob er stimmt.
12. Schaffen Sie sich Ihr gemütliches Eck. Eines.
Zum Abschluss ein Tipp für alle Jahre: Jedes gute Zuhause braucht ein geschütztes Eck.
In Tirol gibt es seit jeher die Stube. Einen Raum aus Holz, getragen von Wärme und Nähe. Und in jeder Stube gibt es diesen einen Platz: das Eck.
Der Rücken geschützt, der Blick weit. Ein Platz, an dem man bleibt. Hier saß man, wenn draußen dicke Flocken fielen. Wenn die Kälte kam. Oder wenn einem das Gemüt fror.
Es war der Platz inmitten der Herde, zwischen Familie und Freunden, nah an der Wärme, nah am Geschehen. Ein Ort, der Schutz bot – ganz selbstverständlich. Vor dem Winter. Vor der Dunkelheit. Und vor all den Gestalten, die im Lauf des Jahres die Stube betraten, vom Krampus bis zum heiligen Nikolaus.

Schaffen Sie sich so ein Eck. Nicht als bäuerliche Kopie, sondern als zeitgemäße Übersetzung. Einen Ort, der hält. Der zur Ruhe bringt. Der sagt: Hier darf ich bleiben.

Gerade in einer Welt, die immer offener, schneller und lauter wird, ist dieses geschützte Eck vielleicht der modernste Luxus von allen.

Worum es 2026 eigentlich geht

Es geht nicht darum, jedem Trend hinterherzulaufen. Es geht darum, dass Ihr Zuhause Ihre Ruhe aushält – und Ihre Persönlichkeit zeigt. Mit Haltung. Mit Handwerk. Und mit dem Mut, Dinge nicht nur „schön“, sondern richtig zu machen.
Wenn Sie Lust haben: Bringen Sie einen Grundriss, ein paar Fotos oder einfach Ihre Fragen mit. Wir schauen gemeinsam, wo Ihr Zuhause 2026 noch besser klingen kann. Und ja – wir finden auch den einen, genialen Stilbruch, der alles lebendig macht.
Wir sehen uns in Fügen.




